von neuen moden - i-amp - München - 2002

Bei der Performance kommt der Stoff wieder ins Spiel. Der Stoff aus der Tradition der Kleiderherstellung. Es wird in dem ‘Salon Hiller’ auf der im i-camp-Theater installierten Eisfläche mit zwei riesigen Umzugskisten und einigen Nähmaschinen eine Produktionsstätte für Kleidung eingerichtet. Der Herstellungsprozess wird auf die Bühne gebracht. Das Modellieren am Körper als Ursprung des Einkleidens. Eine Decke wird um den Körper gelegt und angepasst. Da ist noch eine Öffnung nötig, hier muss der Stoff gerafft werden. Da wird er geschnitten, hier wird er wieder darangesetzt. Skulpturales Arbeiten. Die Schere ersetzt den Meißel. Die Stoffe, der bei der Performance verwendet werden, sind billige, graufilzige Umzugsdecken. Einfacher Stoff, für den Transport von Alltagsmöbeln aber auch von Kunstwerken entwickelt. Nicht gewebtes Material - nur gepresste Recycling-Flusen. Die DarstellerInnen erscheinen unförmig in Decken-Kutten eingehüllt in der Szenerie. Unter der Kuttenschicht ist die nächste Schicht, darunter die nächst und die nächste und darunter der Körper. Stoff der Performance ist die Enthüllung. Die beiden riesigen Umzugskisten dienen als Bühnen. Das Schneidern, das Zerschneiden ist das Konzert. Die Anleitung ist die Partitur. Es wird immer parallel auf den zwei Umzugskisten-Bühnen geschnitten. Planen und Improvisieren. Schneiden, beurteilen und wieder schneiden. Das unförmige Material wird umgeformt. Die Schnitte verlaufen im Dialog zum Körper. Die Fetzen fliegen. Im Scheinwerferlicht werden die tausende fliegenden Flusen über der Szenerie zum glitzrigem Nebel.